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Summer School Vienna 2015 - Neues Geld Magazin
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Summer School Vienna 2015

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Summer School Vienna 2015

Referent Heinz Hafner vom Unterguggenberger Institut Wörgl (links) begrüßte im Seminar u.a. Mag. Günther Jedliczka vom Organisationsteam der AEMS Summer-University (Bild Mitte rechts).

Thematischer Ausgangspunkt der Sommeruniversität ist die Frage nach alternativen und innovativen Modellen eines nachhaltigen Finanz- bzw. Wirtschaftssystems. In Vorträgen, Workshops und hochkarätig besetzten Diskussionsrunden wurden über 30 Studierende  aus über 20 Nationen, darunter Bhutan, Pakistan, China, Korea, Ukraine, Kazakhstan, Bangladesh, Jordanien, Palästina, Kroatien, Venezuela, Peru,  Mexiko und Europa  mit neuen Ideen und  Ansätze konfrontiert und konnten und eventuell bereits Bekanntes vertiefen.

Was lehrt das Wörgler Freigeld-Experiment?

Heinz Hafner erläuterte als Impuls aus der Vergangenheit die Wirkungsweise des historischen Wörgler Freigeldes, das während der Weltwirtschaftskrise 1932/33 in der Tiroler Marktgemeinde Wörgl  im Rahmen eines Nothilfeprogrammes mit kommunalem Infrastruktur-Bauprogramm für einen lokalen Wirtschaftsaufschwung mit signifikanter Verringerung der Arbeitlosigkeit sorgte.

Durch Einsatz der Arbeitswertscheine, die aufgrund der einprozentigen Abwertung pro Monat neun bis zehn Mal schneller zirkulierten als die Nationalwährung, wurde die Arbeitslosigkeit signifikant verringert, der Konsum und die Steuerabgaben angekurbelt sowie dauerhaft genützte Infrastruktur wie Straßen, Abwasserkanäle, Straßenbeleuchtung, eine Brücke sowie ein Gebäude und Einrichtungen für den Tourismus, darunter eine Sprungschanze, geschaffen und damit die lokale Wertschöpfung gesteigert. Das erfolgreiche Währungsexperiment auf Druck der Nationalbank verboten.

Aus dem Wörgler Beispiel lassen sich auch für heute Schlüsse ziehen. Die Arbeitswertschein-Komplementärwährung mit monatlich 1 %iger Abwertung bewährte sich unter den damaligen Rahmenbedingungen.  Um eine Komplementärwährung erfolgreich anzuwenden, braucht es ambitionierte Menschen und Ziele. Dabei ist trotz hohen Bedarfes mit einer schwierigen Einführungsphase zu rechnen. Vorrangig sei die Erreichung des beabsichtigten Zieles, das verwendete Mittel – die Komplementärwährung – steht nicht im Mittelpunkt, sondern ist Mittel zum Zweck.  Und: Ein erfolgreiches System kann an übergeordneten Machtstrukturen scheitern.

Die vielfältige Komplementärwährungs-Landschaft heute

Das zweite Impulsreferat ging auf die gegenwärtige, sehr bunte Komplementärwährungslandschaft ein und stellte best practice-Beispiele wie den Chiemgauer und die Vorarlberger Allmenda Social Business e.G. vor. Eine Klassifizierung von Komplementärwährungen wird auf Basis ihres Zweckes vorgenommen, wobei hier in vier Kategorien unterteilt wird: Mit Nationalwährung gedeckte Komplementärwährungen wie Regionalgelder mit dem Ziel der Kaufkraftbindung und Förderung regionaler Wertschöpfung,  leistungsgedeckte (Waren und Dienstleistungen) Systeme zur wirtschaftlichen Selbstermächtigung, Gemeinschafts-basierte Systeme wie Zeitbanken zur Stärkung der Sozialstruktur und kombinierte Systeme, die mehrere Aspekte der Regionalentwicklung umfassen und genossenschaftlich organisiert sind.

Neben Komplementärwährungen bestehen weitere solidarische Wirtschaftsaktivitäten mit dem Ziel,   die Region zu stärken – dazu zählen Bürgerbeteiligungsmodelle und Crowd-Funding ebenso wie Commons  und Sharing-Projekte. Gemeinwohlökonomie und Grundeinkommen sind weitere Ansätze in dieser Richtung.

Hafner listete weiters auf, welche Ziele Wörgl heute mit Anwendung komplementärer Strukturen verfolgt – von der zeitbasierten Komplementärwährung des Jugendprojektes I-Motion über die Wörgler Sonnenscheine, mit denen Bürger ihren Strom für 20 Jahre im Vorhinein bezahlen und damit den Ausbau von Solarparks durch die Stadtwerke finanzieren, bis zum Gemeinschaftsgarten-Projekt Wörgler Freigarten und der Energy.Card, die als elektronische Multifunktions-Karte als Rabattsammelsystem, aufladbare Gutscheinkarte und Bürgerkarte den Effekt der Kaufkraftbindung einer Regionalwährung übernimmt.

Neues Geld – Kriterien für ein Leitbild gemeinnütziger Komplementärwährungen

„Ein Manifest ist die Mutter jeder neuen Bewegung“, erklärte Hafner und wies auf die Kriterien für „Neues Geld“ hin, die gemeinsam von österreichischen Initiativen 2009 ausgearbeitet wurden. Nicht jede Komplementärwährung ist von sich aus gemeinnützig. Konsens herrscht beim Leitbild  über die Kriterien neuer Gelder hinsichtlich Kaufkraftstabilität, basisdemokratischer Strukturen bei Entstehung und Kontrolle sowie Transparenz der Regeln,  Förderung von Gemeinschaftsbildung und solidarischer Strukturen sowie ressourcenschonender Wirtschaftsweise und regionaler Wirtschaftskreisläufe.

„Wir befinden uns inmitten einer großen Übergangsphase. Die Komplementärwährungslandschaft ist sehr vielfältig mit vielen lokalen und zweckorientierten Besonderheiten“, so Hafner. Dabei gelte es, immer alle Auswirkungen zu berücksichtigen und sich im Klaren darüber zu sein, dass jede Innovation Akzeptanz in der betroffenen Bevölkerung benötigt und Komplementärwährungen machtvolle Instrumente für Veränderungen sein können, die immer zu Entscheidungen, Änderung der Machtverhältnisse und zu neuen Strukturen führen. Dabei sei zu berücksichtigen, dass das Ökosystem des Planeten bereits hoch belastet ist und die physische und ökonomische Widerstandsfähigkeit an ihre Grenzen kommt – Schocks können erwartet werden.

Werkzeuge für „Neues Geld“: Matrix für Währungs-Design und Klassifizierung

Den dritten Teil des Vortrages stellte Hafner unter den Aspekt einer interaktiven Herangehensweise beim Design neuer Währungen, nahm eine Währungsklassifikation anhand einer Matrix mit Eigenschaften von Währungssystemen vor und erläuterte die Anwendung anhand praktischer Beispiele.

Warum? Was? Wie? Und Wer? – diese Fragen und weitere beantwortet die von Heinz Hafner vorgestellte Basis-Klassifikation von Währungen. Ausgabeform, Deckung, Verbreitungsgebiet, Zielgruppen, intrinsischer Wert, Schöpfungsvorgang, Akzeptanz, Marktdurchdringung, Trägerinstitution, Volumen, Lebenszyklen, Wechselgebühren, Zinsraten, Verteilung, Konzentration hinsichtlich des Besitzes von Geld und Übertragbarkeit zählen zu diesen Kriterien, die Hafner anhand von US-Dollar, Bitcoin und Wörgler Freigeld durchexerzierte.

Hafner diagnostizierte abschließend weiteren und dringenden Bedarf für die Einführung von gemeinnützigen Komplementärwährungen. „Der Lebenszyklus der Komplementärwährungs-Bewegung  hat sich von der Einführungsphase bereits in eine Wachstumsphase gewandelt und ist auf dem Weg in die Reifungsphase“, stellte Hafner den Vergleich mit einem Produktlebenszyklus auf. Die Erfahrungen aus den vielen laufenden Projekten werden zeigen, welche Ansätze sich für die Zukunft bewähren. Komplementärwährungen bergen das Potenzial, große anstehende Probleme unserer Gesellschaft zu lösen. „Währungs-Design ist  eines der mächtigsten  abstrakten Instrumente der Welt.“

Hier geht´s zur englischsprachigen Fassung des Seminarberichtes – click here

Info zum Unterguggenberger Institut:
2003 gegründeter eingetragener gemeinnütziger Verein mit dem Ziel der Dokumentation und Öffentlichkeitsarbeit zum Wörgler Freigeld und Komplementärwährungen heute. Das Unterguggenberger Institut initiierte im Rahmen der Lokalen Agenda 21 das Wörgler Komplementärwährungs-Jugendprojekt I-MOTION. Das Unterguggenberger Institut ist Gründungsmitglied der Initiative Neues Geld, die 2008 die Petition Neues Geld ans österreichische Parlament richtete.

Heinz Hafner ist Vorstandsmitglied und erfolgreicher Unternehmer im Bereich Informationstechnik & Neue Medien. Seine durchgängig verfolgten Ziele sind: Schlagkraft, Einfachheit & Vertrauen durch den Einsatz innovativer Lösungen im Bereich Informationsmanagement. Die hochsichere Datenverwaltung SchutzBox [http://schutzbox.com] als auch das vernetzte Magazin ɱag.net [http://ɱag.net] mit dessen medienwirksamer Verbreitung von Werten & Kompetenzen bestätigen dies.

Veronika Spielbichler ist seit 2003 Obfrau des Unterguggenberger Institutes, freie Redakteurin und engagiert in der Lokalen Agenda 21 in Wörgl.

Info zur AEMS Summer School von den Veranstaltern:
Die Summer School befähigt die Teilnehmer, am gesellschaftlichen Diskurs mit wissenschaftlichen Daten und konkreten Ideen teilzunehmen, Wandel also aktiv mitzugestalten und, falls nötig, auch selbstständig zu initiieren. Dies hat für Industriestaaten große Relevanz, aber auch für Entwicklung- und Schwellenstaaten, die im herkömmlichen wirtschaftlichen Denken das größte „Wachstumspotenzial“ haben, deren Aufholen in der Ressourcennutzung aber potenziell massive Auswirkungen auf Umwelt und Klima haben könnte. Ein höchst relevantes Thema ist darüber hinaus jenes der Finanzwirtschaft, deren Krisenhaftigkeit in den vergangenen Jahrzehnten massive Folgen für die globale Realwirtschaft zeigte, und deren Reform für die Zukunft der (Zivil)Gesellschaft höchst relevant sein wird.

Auf akademischer Ebene unterstützen die Universität für Bodenkultur Wien, die Technische Universität und die FH Burgenland das Projekt, weitere Partner sind die Initiative Wachstum im Wandel des Österreichischen Lebensministeriums und der Beauftragte der Stadt Wien für Universitäten und Forschung.

Begleitend zur Sommeruniversität wird auch ein breiteres Publikum mithilfe einer Filmreihe sowie mehrerer Diskussionsabende mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft angesprochen. Das Ziel dieser Veranstaltungen wie auch der Sommeruniversität selbst wird es sein, eine intensive Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Ansätzen zu ermöglichen.

Nähere Informationen: http://summer-university.net/

mmadmalpha
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